Ein Debütroman von Stefan Hessler
Zombies. Chaos. Und ein Typ mit einem Plan. Kein guter, aber immerhin.
In den verwesten Seitengassen von Rustwater ist der Tod längst nicht mehr das Schlimmste, was einem passieren kann.
Jack, ein abgebrühter Ex-Cop, dessen moralischer Kompass schon vor dem Ende der Welt zerbrach, hat die ersten Jahre der Apokalypse durch Zynismus und Isolation überlebt. Doch als die hartnäckige Überlebende Lisa und der geheimnisvolle Bogenschütze Barry seinen Weg kreuzen, wird aus dem Einzelgänger ungewollt ein Anführer. Zwischen Psychopathen, die den Wahnsinn der Apokalypse mit einem Handkuss begrüßten, fanatischen Kannibalen und untoten Kreaturen, die ununterbrochen auf der Jagd sind, macht sich das ungleiche Trio auf den Weg, um die Absturzstelle eines Hubschraubers zu untersuchen.
Was als riskante Mission in den Trümmern beginnt, wird schnell zu einem gnadenlosen Überlebenskampf. Ihre Suche nach Antworten lockt sie hinab in die Dunkelheit der verborgenen „Underground City“. Doch was sie nicht ahnen: Seit dem Beginn ihrer Odyssee zappeln sie bereits im Netz des manipulativen „Docs“. Der charismatische Wissenschaftler hat weitaus größere Pläne mit ihnen — und das Schicksal der Gruppe ist der Schlüssel zu einem Geheimnis, für das er bereitwillig über Leichen geht.
Für Fans von The Walking Dead, The Last of Us und alle, die derben Humor lieben.
„Das Ende der Welt war erst der Anfang. Die Odyssee kam danach.“
Schon der bloße Gedanke an die panischen Schreie, die Hilferufe und das durchdringende Heulen der Sirenen jagte mir eine scheiß Gänsehaut über den Rücken. All das hatte sich zu einem grausamen Chor eingestimmt und sich unauslöschlich in mein Gedächtnis gebrannt. Inzwischen sollten schon mehr als zwei Jahre vergangen sein, seitdem die Zombie-Apokalypse ausgebrochen war. Zuerst herrschte ein gewaltiges Chaos; Autos krachten ineinander und überrollten bei Ausweichmanövern Fußgänger, die um ihr Leben rannten. Diejenigen, die es schafften, nicht von der Stoßstange geküsst zu werden, suchten verzweifelt einen Weg aus der
Stadt. Fenster wurden eingeschlagen, Geschäfte geplündert. Die Straße bekam schnell einen neuen Anstrich: Trümmer, zerfetzte Gliedmaßen und ausgebreitete Gedärme in breiten Blutlachen bedeckten den grauen Asphalt. Bereits nach der ersten Woche wirkte die Stadt wie ein Monument der Zivilisation, das in sich zusammenzubrechen drohte. Hochhäuser ragten weiterhin in den Himmel, wobei ihre Fenster wie emotionslose schwarze Augenhöhlen auf eine neue Welt des Wahnsinns starrten. Fassaden waren zerborsten, Blut besprenkelt, übersät von Einschusslöchern und Feuerspuren. Überall lagen die Überreste des friedlichen Lebens, das einmal war: zerstörte Fahrräder, zerbrochene Smartphones, Kuscheltiere, getränkt in
Pfützen aus Blut. Der Wind trug die jüngsten Nachrichten in zerfetzte Zeitungsseiten durch die Straßen, als wolle er das letzte Mal von den Umweltkatastrophen, Rettungsversuchen und irgendwelchem sinnfreien Klatsch berichten. Die Luft war geschwängert vom Geruch des Todes und der Anarchie, die sich unaufhaltsam ausgebreitet hatte. Frisches Blut, schwarzer Rauch und brennendes Plastik. Es war ein beißender Gestank, der sich für immer in meiner Nase festgesetzt hatte. Ja, ich glaube nichts verfolgt einen heutzutage mehr, als der allgegenwärtige Gestank nach Scheiße und Verwesung.
Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als ich die Feuerwehraxt aus dem gespaltenen Kopf des Zombies zog und dabei sämtliche Körperflüssigkeiten verspritzte. Jedes Mal versaute es mir die frisch gewaschene Kleidung. »Einfach nur widerlich«, stöhnte ich erschöpft. Man gewöhnte sich nie daran, und doch war einem jedes Mittel recht, nur um an Vorräte zu gelangen. Den eigentlichen Anfang der Apokalypse hatte ich verschlafen. Ich hatte schlummernd und verkatert in meiner Wohnung gelegen; es dauerte Stunden, bis ich den Wahnsinn, der draußen herrschte, überhaupt wahrnahm.
Der Kopf dröhnte mir nicht nur vom billigen Whisky, sondern auch von der Kneipenschlägerei, die ich in der Nacht zuvor bedauerlicherweise verloren hatte. Zuerst hielt ich das Ganze für einen Traum, aber zu allem Bedauern war das keiner, sondern ein beschissener Albtraum. Ich hörte gequälte Schreie, Schüsse aus Pistolen, hupende Autos, deren Reifen quietschten, und das darauffolgende ineinander krachen. Mit hämmerndem Schädel richtete ich mich stöhnend auf und stellte fest: dass ich noch in den Klamotten steckte, dass das Erbrochene auf der leeren Bettseite eingetrocknet war – Whisky und Hotdogs, lecker … und dass mein Mitbewohner nicht zusehen war.
Im zweiten Moment hämmerte ein stechender Schmerz durch den Kiefer. Jede Bewegung – selbst das Schlucken – tat höllisch weh. Der vollbärtige Typ, mit dem ich mich angelegt hatte, hatte einen erstaunlich harten rechten Haken gehabt. Der restliche Mageninhalt drohte mir in einer Fontäne aus dem Rachen zu schießen, als ich die Vorhänge beiseitezog und aus dem Fenster sah. Mein Arm gab mir am Fensterbrett Halt, während der andere den dröhnenden Schädel hielt, um das rotierende Karussell darin zu beruhigen. »Ach du Scheiße, was zum … was … was ist hier los?«, murmelte ich benommen.
Obwohl alles im Moment verschwommen und doppelt vor meinem Sichtfeld umhertanzte, hatte ich vom zweiten Stock aus einen weiten Überblick auf die Straßen. Langsam erkannte ich, dass die Menschen nicht bloß in Panik waren. Da stimmte etwas nicht … Ich erschrak und mein Herz begann heftig zu rasen, als ich allmählich begriff, welche grauenhaften Szenen sich vor mir abspielten: Sie rissen einander das Fleisch vom Körper, zerfetzten es und bissen lange Stücke heraus. Plötzlich stolperte eine junge Frau direkt unterhalb meines Fensters. »Welch ein Klischee«, murmelte die Stimme in meinem Kopf. In dem Moment, als sie gestürzt war, hatten sich zwei dieser Dinger bereits dicht an ihre Fersen geheftet.
Wie auf einem belichteten Polaroidfoto konnte ich mich an ihren Blick erinnern: Sie hatte verzweifelt zu mir hochgesehen, Tränen in den Augen, schluchzend in der Hoffnung, dass ich ihr helfen würde. Doch es war längst zu spät gewesen. Die blutverschmierten Kreaturen stürzten sich krächzend und erbarmungslos auf die Frau. Ich stand wie gelähmt da, meine Augen ließen sich nicht von dem wahnsinnigen Schauspiel abwenden. Ihre Todesschreie vermischten sich auf der Stelle mit dem restlichen Lärm, der sich draußen entfaltete. Er fügte sich nahtlos in das Chaos-Orchester ein. Es vergingen einige Sekunden … oder Minuten? Ich hatte es vergessen. Es war, als ob die Zeit zehnmal langsamer verlief.
Auf jeden Fall ließen die blutverschmierten menschenähnlichen Kreaturen bald von ihr ab und hetzten ihrem nächsten Opfer hinterher. Zurück blieb nur der entstellte Körper. Ihre Kleidung war zerrissen, Teile des angstverzerrten Gesichts fehlten, stellenweise war das Fleisch bis auf die Knochen abgefressen. Ihr Kiefer hing lose herab. Vor Schreck wich ich zurück, stolperte über den schmutzigen Teppich und schlug mir den Rücken hart am Bett an. Ein heftiger Brechreiz überkam mich. Würgend leerte ich dann den letzten Rest meines Magens aus. Viele Augenblicke lang verharrte ich sitzend, starr vor Schock, in dieser Position, wobei die Schreie und die Zerstörung im Hintergrund unaufhörlich ihren Lauf
nahmen. Nach einer Weile gelang es mir, mich zu fassen. Ich stand auf und schloss zitternd das Fenster. Vor Panik schwitzte ich so heftig, dass mir die Kleidung am Körper klebte. Was zur Hölle war hier los? Mein Verstand begriff es nicht. Ich lief rasch ins Wohnzimmer, um den Fernseher einzuschalten. Falls es eine Möglichkeit für einen Aufschluss gab, dann über den Nachrichtensender. »Fuck!«, schrie ich hysterisch durch die ungepflegte Wohnung. »Wo ist dieses Teil schon wieder?« Vom Kotzen brannte mir noch die Kehle. Ich brüllte und fluchte dennoch weiter. Auf der Suche nach der Fernbedienung stellte ich die gesamte Hütte auf den Kopf. Die dicke Staubschicht, die sich in den vergangenen Jahren angesammelt hatte,
wirbelte auf. Mein Mitbewohner saß bloß unbekümmert herum und sah mir zu, anstatt mir zu helfen. So ein fauler Sack. Und für die Klugscheißer: Falls ihr euch fragt, warum ich nicht die Tasten am Fernseher benutzt habe – die waren kaputt. Ja, alle. Am Ende der hemmungslosen Suche hätte man gemeint, dass Taz im Tornado-Modus durch das Zimmer gezogen war, wobei der Wohnraum ohnehin schon beschissen aussah. Der Boden war mit schmutziger Wäsche und leeren Bierflaschen bedeckt, halb verspeiste Essensreste, die vom Vortag geliefert worden waren, lagen in ihrer Aluminiumschale auf dem wackeligen Wohnzimmertisch. Die alten Sitzkissen der Couch fehlten inzwischen, da ich sie bei der Suche in alle Richtungen
geworfen hatte. Als mein Blick über den 90er-Jahre-Röhrenfernseher glitt, fiel mir ein Stein vom Herzen und ich rief erleichtert: »Da bist du ja!« Ungeduldig drückte ich auf die verklebten Tasten der Fernbedienung, bis die Glotze surrend zum Leben erwachte und mich blendete. Im Sekundentakt wechselte ich durch die rauschenden Kanäle, bis einer der Sender etwas übertrug: Ein aufgeregter Moderator sprach wild zu jemandem außerhalb des flackernden Bildschirms. Doch bevor dieses Bild ebenfalls im Rauschen verschwand, hörte man ein letztes Wort: »Zombies.«
…
Mein Gehirn ratterte, bis mich die Erkenntnis wie ein weiterer Schlag mitten ins Gesicht traf: »Zombies!«
Ich bin Jack. Und das ist meine Odyssee in der abgefahrenen, unberechenbaren, verrückten und vor allem gefährlichen Welt der Untoten.
Ihre Odyssee führt durch verwüstete Städte, tote Wälder und die Überreste einer Zivilisation, die nicht mehr existiert.
Stefan Hessler, Jahrgang 1993, ist Autor von Horror- und Endzeitromanen mit Schwerpunkt auf Zombie-Fiktion. Das Schreiben, das zunächst als kreativer Impuls begann, entwickelte sich schnell zu einem konsequent verfolgten Projekt. Seit einem Jahr schreibt er täglich und arbeitet kontinuierlich an seinem Debütroman.
Sein besonderes Interesse gilt Figuren unter psychischem Druck sowie den Mechanismen von Angst, Anpassung und Kontrollverlust. Dabei setzt er bewusst auf eine direkte, ungeschönte Erzählweise, die sich von konventionellen, stark medial geprägten Zombie-Darstellungen abgrenzt.
Im Zombie-Genre fand er schließlich einen erzählerischen Zugang zu Themen, die ihn persönlich beschäftigen.
„Ich schreibe über Gefühle, die ich selbst durchlebt habe.“
Dieses Buch ist keine bloße Horrorgeschichte. Was meine Figuren durchmachen — Trauma, Depression, Einsamkeit, der Kampf gegen den eigenen mentalen Zerfall — kommt nicht aus dem Lehrbuch. Ich kenne diese Abgründe selbst. Genau das wollte ich ungeschönt zeigen: was psychischer Druck mit Menschen macht, wenn die Welt drumherum zusammenbricht.
Das Zombie-Genre fasziniert mich seit meiner Kindheit — hier habe ich den richtigen Rahmen für genau diese Geschichte gefunden. Splatter und Action sorgen für Spannung, doch das Herz der Geschichte schlägt zwischen den Figuren: in ihrem trockenen Humor, ihrer bitteren Trauer, in den seltenen Momenten echter Hoffnung. Am Ende erzählt dieses Buch davon, dass selbst aus dem tiefsten Abgrund ein Weg führt — wenn man bereit ist, den Preis zu zahlen.
Psychopathen, fanatische Kannibalen, eiskalte Manipulatoren. Die Untoten sind nur das Hintergrundrauschen einer Welt, in der die Lebenden längst die schlimmsten Bestien geworden sind.
Jeder Schritt durch Rustwater holt sie ein: Jack seine zerbrochene Vergangenheit als Cop, Lisa ihre Trauma-Shutdowns, Barry die Wahrheit über seine Eltern. Die Apokalypse vergisst nichts.
Wenn die Welt untergeht, bleibt nur noch Lachen. Zynismus ist kein Luxus — er ist die letzte Verteidigungslinie gegen den Wahnsinn.
„Ich finde dieses Buch wirklich klasse, dafür das es ein Debüt ist , ist es dem Autor wirklich gut gelungen. Ich habe Jack und seinen Humor sofort geliebt und auch die Beschreibung der Umgebung ist sehr gut umgesetzt, für Fans von , the Walking dead oder Zombieland ist dieses Buch genau das richtige“
„Ein wirklich unglaubliches Buch 💯 Kann ich wirklich nur jedem Weiterempfehlen 🤩 Dieser Zombie-Apokalypsen Roman ist sowas von süchtig machend! Eine eine unglaublich fesselnde Geschichte des Einzelkämpfers Jack, den man auf seiner Reise durch den Weltuntergang begleiten 💪🏻 Diese Story hat ganz ohne Frage alles was man sich von einem Weltuntergangsszenario wünschen kann & hat mich von der ersten Sekunde an sofort mitgerissen💯“
„Zombies, Cola und ein Hawaiihemd – apokalyptischer Rock’n’Roll mit Hirn. Was dieses Buch für mich herausstechen lässt, ist nicht nur die schonungslose Endzeit-Atmosphäre, sondern vor allem der Erzähler. Jack ist nicht der klassische Held, sondern einer, der flucht, trinkt, humpelt, zweifelt, sarkastisch ist. Und genau das macht ihn nahbar. Der Stil ist direkt, dreckig, stellenweise herrlich rotzig, aber dazwischen tauchen immer wieder überraschend emotionale Momente auf. Genau diese Brüche machen das Buch lesenswert. Es ist mehr als Zombies. Es ist ein Roadtrip durch Schuld, Dreck und Sehnsucht. Mein Eindruck: Wer “The Last of Us” liebt und sich nicht scheut, mit einem Kater in die Apokalypse zu starten, wird hier fündig.“